Bildbearbeitung Test

Boris FX Optics im Test

Über Boris FX Optics bin ich vor einiger Zeit gestolpert, als ich nach Plugins für Lensflares gesucht habe. Ich weiß gar nicht mehr, in welchem Zusammenhang ich damit experimentieren wollte, aber das ist an dieser Stelle auch nebensächlich. Optics wird mit der Aussage beworben, Fotografen eine Vielzahl von optischen Effekten zur Verfügung zu stellen. Grund genug, mir das Plugin einmal anzuschauen. Also habe ich mir die Testversion installiert.

Nach der Registrierung auf der Website darf man Optics herunterladen. Ich empfinde es ja immer befremdlich, wenn ich zunächst all meine Daten preisgeben muss, um eine Testversion zu erhalten. Setzt sich aber leider immer mehr durch bzw. gibt es kaum noch Hersteller, die nicht dringend meine Daten benötigen, um mir einen Download bereitzustellen.

Die Größe des Downloads beträgt ca. 540MB, da scheint also einiges dabei zu sein. Nach dem Download die Installation starten und in wenigen Minuten ist Boris FX Optics unkompliziert installiert – sowohl als Stand-alone-Version als auch als Plugin für Photoshop und Lightroom. Also direkt mal Photoshop gestartet, ein Bild geladen und Optics aufgerufen. Erster Eindruck: Startet um ein Vielfaches schneller als Luminar 4 bzw. AI. Nach wenigen Sekunden wird die Oberfläche angezeigt während ich bei Luminar in der Zwischenzeit noch in Ruhe einen Kaffee holen kann.

Test mit Hindernissen

Da ich keine Seriennummer besitze, wähle ich zunächst den Punkt „Trial-Version“ an und darf erneut meine kompletten Daten eingeben. Ernsthaft Boris FX? Ihr schafft es, mir eine eMail mit einem Dankeschön für den Download der Testversion zu senden, aber eine Trial-Seriennummer kann man nicht direkt mitsenden? OK…
Die Aktivierung der Testversion geschieht also online, nach einer kurzen Wartezeit erscheint auch die Meldung, wann die Testversion ausläuft (sie ist 14 Tage lang nutzbar). Diese Meldung erscheint übrigens bei jedem Start der Optics Testversion.

Boris FX Optics Oberfläche

Der Bildschirm teilt sich in 5 Bereiche auf. Ganz links findet Ihr ein Panel, in dem eine Art Historie erscheint. Das ursprüngliche Bild befindet sich ganz unten, darüber kann man verschiedene Effekte „stapeln“, die nacheinander angewendet werden. Man kann beliebig in der Historie zurückspringen, auch einzelne Effekte nachträglich verändern ist möglich.
In der Mitte wird das eigentliche Bild dargestellt, hier sieht man in einer Vorschau sämtliche bereits eingestellten Effekte. Rechts von dieser Vorschau erscheinen, soweit für den Effekt vorhanden, die Presets sowie die (über einen Tab unterhalb der Presets aufrufbar) die Parameter des Effektes.

Unterhalb des Bildes findet Ihr die Auswahl der unterschiedlichen Effekte. Und, so viel sei vorab verraten, es sind ziemlich viele, unterteilt in die Kategorien Color, Diffusions/Blur, Film Lab, Grads/Tints, Image, Lens, Light, Render und Stylize. Zu den meisten Effekten gibt es auch diverse Presets (allein für Color Correct zähle ich 90, für Filmstocks zähle ich gar 297), es gibt also zunächst viel zu erkunden. Und so beginne ich auch mit der Erkundung, klicke auf die unterschiedlichen Reiter um einen Überblick der Effekte zu erhalten. Nach dem Klick auf die Kategorie „Image“ schließt sich das Plugin aber urplötzlich ohne eine weitere Meldung. OK, das kann mal passieren, also einfach neu aufrufen. Erneut ein Klick auf die Kategorie „Image“ und das Plugin ist wieder verschwunden.

Hmmm… das sieht nach einem echten Problem aus, aber vielleicht spinnt auch nur mein PC. Getreu dem Motto „Reboot tut immer gut“ wird der PC neu gestartet, Photoshop geöffnet, die gleiche Datei wieder eingeladen und das Plugin erneut aufgerufen. Und zack – der Klick auf „Image“ befördert mich wieder zurück zu Photoshop. Ungewohnt, den Abbrechen-Button so zu tarnen…

Ich beschließe, die Kategorie „Image“ nun erst einmal auszulassen und schaue mir die nächsten Kategorien an. Unter Light mal den einen oder anderen Effekt ausprobiert, um die Vorschau zu sehen – und auch hier crashed Boris FX Optics diverse Male. Und um es kurz zu machen: Auch in den weiteren Kategorien gibt es diverse Effekte, die Optics schlagartig abstürzen lassen.

Eine Lösung muss her

Bevor ich also weiter experimentiere, versuche ich erst einmal herauszufinden, ob es ein bekanntes Problem ist. Und prompt liefert mir Google direkt als erstes Suchergebnis einen Foren-Thread aus Oktober 2020, in dem exakt dieses Verhalten von mehreren Personen beschrieben wird. Neben dem Hinweis, es doch mal in der Stand-alone-Version zu testen, das würde bei einigen funktionieren (bei mir nicht) sowie verschiedenen Hinweisen des Optics Product Managers, doch ein Support-Ticket zu diesem Thema zu eröffnen finde ich auch den Tipp, das GPU-Rendering doch mal testweise zu deaktivieren. Und dieser Tipp brachte mich tatsächlich weiter.

Boris FX Optics scheint tatsächlich ein Problem mit verschiedenen Grafikkarten/-chips/-treibern zu haben, unabhängig von den Geräten der Nutzer. Sowohl Mac- als auch Windows-User melden den Fehler. Verschiedene User erleben den Fehler mit Nvidia-Grafikkarten, ich selbst nutze einen AMD-Chipsatz. Das Problem ist also häufiger vertreten und bis heute offensichtlich auch noch nicht behoben. Weitere Probleme unter anderem im Zusammenhang mit Dual-Grafikkartensystemen kommen noch hinzu.

So ganz konnte ich das Problem tatsächlich auch durch die Deaktivierung des GPU-Renderings nicht beseitigen. Das Plugin stürzt bei verschiedenen Effekten (Bspw. „S_Zap“, mit dem ein Blitz simuliert wird) nach wie vor ab. In der Stand-alone-Version hingegen passiert das nicht mehr.

Für mich ist das Plugin damit aber raus, auch wenn es eine Menge recht ansehnliche Effekte bietet. Verschiedene Funktionen (wie bspw. das Schärfen) taugen meines Erachtens nicht viel, zumindest fand ich die Ergebnisse in meinen Tests nicht sonderlich umwerfend bzw. überflüssig. Andere Effekte wie beispielsweise die Looks sind ziemlich gut und bieten eine Vielzahl wirklich guter Presets, die man bei Bedarf auch anpassen und angepasst speichern kann. Aber durch die erforderliche Deaktivierung des GPU-Renderings ist die Arbeit innerhalb des Plugins und auch in der Stand-alone-Version ziemlich zäh. Und für mich persönlich kommen keine Tools infrage, die meinen Workflow unnötig verlangsamen. Deshalb kommt auch bspw. das oben bereits erwähnte Luminar bei mir nur extrem selten zum Einsatz.

Fazit

Wenn man auf die Vielzahl der unterschiedlichen Effekte schaut und die Qualität der meisten davon, dann könnte man die Anschaffung durchaus ins Auge fassen. Das Titelbild beispielsweise habe ich „mal eben“ zusammen geschustert, ohne mich allzu tief mit den Funktionen befasst zu haben. Dennoch kann ich keine Kaufempfehlung geben, wie nach dem Lesen meines Tests sicherlich klar ist. Meine Empfehlung ist: wenn Boris FX Optics für Euch interessant erscheint, dann holt Euch die Testversion und prüft, ob es bei Euch fehlerlos funktioniert, auch mit aktiviertem GPU-Rendering. Und entscheidet dann, ob Euch die gebotenen Möglichkeiten die Investition wert ist.

Mirko

Hallo, ich bin Mirko und blogge (mit Unterbrechungen) seit 2004. Ich bin seit 30 Jahren in der IT tätig, kreativer Kopf und Freizeitfotograf mit langjähriger Erfahrung auch im Bereich Design und Bildbearbeitung.

Ich fotografiere aktuell mit meiner Nikon D750, bevorzugt Menschen. Bearbeitet werden meine Aufnahmen in der Regel in Adobe Lightroom Classic und Adobe Photoshop. Einfach, weil ich gefühlt schon immer damit arbeite.

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