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Die Probleme der generativen Füllung in Photoshop

Auch wenn ich in meinem gestrigen Artikel durchaus meiner Begeisterung über die neuen Möglichkeiten der durch KI generierten Inhalte Ausdruck verliehen habe, es gibt immer noch einige Schwachstellen und Probleme mit der generativen Füllung in Photoshop, auf die man hinweisen sollte. Denn so ganz entspricht das, was Adobe im Augenblick liefert, noch nicht den Ansprüchen für einen professionellen Einsatz. Auch wenn die Ergebnisse nun kommerziell verwendet werden dürfen (und in diesem Zuge eben auch kostenpflichtig werden), so heißt das noch nicht, dass man es auch unbedingt tun sollte.

Der “Richtlinien-Filter”

Was mich bereits in der Beta immer wieder genervt hat, ist der “Richtlinien-Filter”. Ich nenne ihn so, da er laut Infotext Inhalte entfernt, die nicht Adobes Richtlinien entsprechen. Dabei schießt er aber regelmäßig übers Ziel hinaus, ohne dabei konsequent zu sein. Besonders mit Hautfarben scheint der Filter ein gewaltiges Problem zu haben. Nacktheit ist in den USA eben etwas sehr Schreckliches. Vor allem zum Ende der Beta hin scheint Adobe hier nochmal kräftig nachgeschärft zu haben, seitdem trat das Problem immer häufiger auf und ist so auch jetzt noch aktiv.

Lasst mich das Problem an einem Beispiel kurz illustrieren. Das folgende (für den Artikel stark beschnittene) Bild war eigentlich sehr schön, lediglich die linke Hand der Braut ist aufgrund einer Bewegung sehr unscharf. Etwas, was mithilfe der Generativen Füllung sehr einfach erledigt sein sollte. Also schnelle Auswahl mit dem Lasso, Generative Füllung, Generieren… und da ist auch schon die Warnung.

Das Problem taucht nicht nur dann auf, wenn ich wie hier im Beispiel eine hautfarbene Fläche direkt entfernen möchte, sondern auch dann, wenn allgemein viel hautfarbene Inhalte im Bild zu sehen sind. Komischerweise scheinbar am häufigsten dann, wenn die Auswahl direkt den Rand berührt.

Dass hier tatsächlich ausschließlich die Hautfarben das Problem sind, kann man sehr leicht feststellen. Wandle ich das Bild vor der generativen Füllung in Schwarz-Weiß um, dann funktioniert alles ohne Murren und ohne nervige Warnung. Aber interessanterweise funktioniert es auch, wenn man, als Prompt “entfernen” eingibt. Dann stört die Haut offenbar nicht, da man sie ja entfernt.
Adobe selbst empfiehlt zwar “Um Inhalte zu entfernen, versuche, ohne Abfrage zu erstellen, und wir füllen die Auswahl dann basierend auf der Umgebung auf.”, aber Adobes KI scheint dabei dann wohl selbst massiv gegen die eigenen Richtlinien zu verstoßen.

Im Gegensatz zum noch folgenden Problem verhindert diese Bevormundung nicht unbedingt den professionellen Einsatz, nervt aber ungemein.

Das Lowres-Problem

Auch dieses Problem kennen wir bereits aus der Beta. In meinem Beitrag dazu hatte ich zwischen den Zeilen die Hoffnung durchschimmern lassen, dass es zu Release besser werden könnte, aber das ist (bislang zumindest) nicht der Fall. Und dieses Problem ist echt schwerwiegend. Sehr auffällig kann man es im folgenden 100%-Ausschnitt sehen. Hier wurde ein Foto via Freistellungswerkzeug und Generativem Erweitern vergrößert. Rechts Original, links der generierte Inhalt.

Nicht mal annähernd gut genug, deutlich sind die 2 unterschiedlichen Auflösungen erkennbar.

In dem oben verlinkten Beitrag hatte ich einen Trick erwähnt, der die Ergebnisse etwas verbessert. Das hatte ich erreicht, indem ich Flächen von maximal 1024 x 1024 Pixeln Größe von der KI habe füllen lassen. Dieser Trick funktioniert nach wie vor, aber deutlich besser werden die Ergebnisse damit auch nicht, wie man im nächsten Bild erkennen kann.

Geringfügig besser, aber wirklich weit weg von kommerziell nutzbar. In der Beta waren solche Ergebnisse für mich OK, zumal ich sie mir auch mit gewollten Einschränkungen im Rahmen der Beta erklärt hatte. Erschien mir logisch und vertretbar. In der finalen Version ist die Qualität jedoch nicht mehr angemessen, der Unterschied ist deutlich zu erkennen. Selbst bei meinem qualitativ nicht gerade hochwertigem Ausgangsmaterial in diesem Test sieht man sehr genau die unterschiedliche Qualität. Für Social Media-Content funktioniert das meist noch (selbst getestet), bei derart geringen Auflösungen fällt das nicht auf. Aber kommerzielle Arbeiten sind in der Regel deutlich höher auflösend als die typischen Social Media-Formate, da sticht der Unterschied direkt heraus.

Adobe wird hier dringend nachbessern müssen, zumal sie sich ja die neuen Funktionen zusätzlich entlohnen lassen. Zumindest zahlen wir Abonnenten des Gesamtpakets demnächst 5 Euro mehr im Monat. Und erhalten dafür Credits für die KI-Nutzung. Möglich, dass dann vielleicht auch Verbesserungen erkennbar werden, schlau wäre dieses Vorgehen allerdings nicht. Denn JETZT testen alle die Features. Und stolpern genau wie ich über die offensichtlichen Mängel.

Mirko

Hallo, ich bin Mirko und blogge (mit Unterbrechungen) seit 2004. Ich bin seit 30 Jahren in der IT tätig, kreativer Kopf und Freizeitfotograf mit langjähriger Erfahrung auch im Bereich Design und Bildbearbeitung.

Ich fotografiere aktuell mit meiner Nikon D750, bevorzugt Menschen. Meine erste DSLR war eine Nikon D70, die später durch eine Nikon D300 ersetzt wurde. Bearbeitet werden meine Aufnahmen in der Regel in Adobe Lightroom Classic und Adobe Photoshop. Einfach, weil ich gefühlt schon immer damit arbeite.

Hier möchte ich sowohl meine Fundstücke aus dem Web, als auch meine Erfahrungen oder auch Experimente teilen. Wenn ich über Produkte berichte, dann schreibe ich immer und in jedem Fall meine persönliche Meinung. Es ist nicht möglich, hier positive Beiträge oder Empfehlungen zu kaufen. Auch hier vorgestellte Produkte sind, sofern im Beitrag nicht anders gekennzeichnet, aus eigener Tasche bezahlt und nicht gesponsert.

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