Adobe hat Photoshop und Lightroom in den letzten Monaten kräftig aufgerüstet. Auf dem Papier klingt vieles beeindruckend: mehrere KI-Bildmodelle, automatische Retusche, schnellere Performance. Doch parallel zu den neuen Funktionen wächst der Unmut in der Fotografie-Community – von Zensur-Vorwürfen bis zu Abo-Frust. Ein Überblick über das, was wirklich neu ist, und über die Stimmen, die genau das kritisch sehen.
Was ist neu in Photoshop?
Photoshop bietet inzwischen mehrere KI-Bildmodelle parallel an – neben Adobes eigenem Firefly Image 5 auch Flux.2 Pro und Gemini (Adobe Blog). Das Remove-Tool läuft inzwischen auch on-device, also ohne Cloud-Verarbeitung, was Tempo und Datenschutz verbessern soll (PhotoWorkout).
Dazu kommen handfeste Werkzeuge für den Alltag: Harmonize gleicht jetzt automatisch Farbe, Licht und Schatten zwischen Composite-Ebenen ab, ein neues Rotate-Object-Feature erlaubt das Drehen von 2D-Elementen direkt auf der Leinwand, und mit Clarity/Dehaze sowie Grain gibt es zwei neue, nicht-destruktive Anpassungsebenen. Das Actions-Panel wurde mit Sprachsuche überarbeitet, ein KI-Layer-Cleanup-Tool räumt leere Ebenen automatisch auf. Neu ist außerdem eine Funktion zum Entfernen von Spiegelungen, etwa bei durch Glas fotografierten Motiven (Adobe Helpx).
Was ist neu in Lightroom?
Auch Lightroom bekommt einen KI-Schub: eine natürlichsprachliche Fotosuche, direkte Anbindung an Firefly Boards und neue, filmisch inspirierte Presets. People Removal und Reflections Removal entfernen unerwünschte Personen beziehungsweise Spiegelungen aus Bildern, ein neuer AI-Edit-Status-Button zeigt an, wo Super Resolution oder Denoise bereits angewendet wurden (Fstoppers).
In Lightroom Classic kamen automatische Duplikaterkennung mit Stapel-Organisation, ein Faces-Panel im Assisted Culling mit Eye-Focus- und Eyes-Open-Scores sowie Hintergrund-Verarbeitung bei KI-Batch-Workflows hinzu. Auch PSB-Dateien lassen sich jetzt synchronisieren (Adobe Helpx). DPReview fasst den Gesamttrend so zusammen: kleine, nützliche Detailverbesserungen statt eines großen Sprungs (DPReview).
Die andere Seite: wachsender Widerstand
So viel zur Feature-Liste. Die Reaktionen in der Fotografie-Szene sind allerdings deutlich gespaltener, als Adobes eigene Ankündigungen vermuten lassen.
KI-Zensur als Politikum. Telepolis beschreibt, wie Adobe die KI-Funktionen in der Photoshop Cloud bei Motiven mit Nacktheit, Erotik oder gesellschaftlich kontroversen Themen einschränkt – und das auch dort, wo diese Inhalte in Europa völlig legal und durch die Kunstfreiheit gedeckt sind. Der Vorwurf: US-amerikanische Moralvorstellungen werden über eine Cloud-Infrastruktur weltweit durchgesetzt, unabhängig von lokalem Recht. Adobe steht damit aber nicht alleine da. (Telepolis).
“AI Bloat”, das niemand wollte. The Phoblographer bringt es in einem Meinungsstück auf den Punkt: Viele der neuen Funktionen seien KI-Experimente, die arbeitende Fotograf:innen nie gefordert haben und auch nicht nutzen. Der Artikel spricht offen vom “AI Bloat”, das Adobe seinen zahlenden Kund:innen aufzwingt (The Phoblographer). Amateur Photographer geht in einem Meinungsbeitrag noch weiter und ruft explizit zu einem Boykott von Adobe auf (Amateur Photographer).
Abo-Preise und Kündigungsfallen. Docma berichtet, dass immer mehr Profis ihr Abo kündigen, und stellt die Frage, ob Adobe damit die Zukunft der Bildbearbeitung aufs Spiel setzt (Docma). Konkreter Zündstoff: Adobe musste 150 Millionen Dollar wegen versteckter Kündigungsgebühren zahlen – bei “annual paid monthly”-Abos wurden bei vorzeitiger Kündigung 50 Prozent der Restlaufzeit als Gebühr fällig (Docma). Fstoppers ordnet in einem separaten Artikel ein, was der zugehörige Settlement-Vergleich für Lightroom- und Photoshop-Nutzer konkret bedeutet (Fstoppers).
Metered AI statt Flatrate. Ein wiederkehrender Kritikpunkt: Früher war in Photoshop und Lightroom alles im Monatsabo enthalten, jetzt kennzeichnet ein “Sparkle”-Icon KI-Werkzeuge, die zusätzliche, kontingentierte Kosten verursachen. Kritiker sprechen von einer De-facto-Preiserhöhung durch die Hintertür. Dafür darf man jetzt gern auch noch ein zusätzliches Firefly- Abo abschließen.
Die Abwanderung zu Alternativen. Fstoppers hat reale Alternativen getestet und beschreibt einen spürbaren Trend weg von Adobe (Fstoppers). Besonders Affinity Photo gewinnt an Boden: Seit der Übernahme durch Canva 2025 ist die Software kostenlos und bietet für die meisten Editing-Aufgaben Photoshop-äquivalente Funktionen. Auch Capture One wird häufig als Ausweichlösung genannt.
Einordnung
Adobe verkauft die 2026er-Updates als konsequente Weiterentwicklung Richtung KI-gestützte, schnellere Workflows – und technisch ist an vielen der neuen Werkzeuge nichts auszusetzen. Gleichzeitig wächst eine zweite Erzählung: die einer Firma, die ihre treue Foto-Community zunehmend als Nebenschauplatz behandelt, während der Fokus auf generative KI und neue Nutzergruppen verschoben wird. Ob man das für berechtigt hält oder für Nostalgie alteingesessener Nutzer, muss am Ende jeder selbst entscheiden – die Faktenlage zu Preisen, Kündigungsgebühren und regionalen Einschränkungen ist jedenfalls dokumentiert, nicht nur gefühlt.

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