Dies und das

Norwegen verabschiedet Photoshop-Gesetz

Photoshop Bearbeitungen

Wir Fotografen/Bildbearbeiter investieren in der Regel eine Menge Zeit in die Bearbeitung unserer Fotos. Ganz abgesehen von Weißabgleich, Farb- und Kontrastanpassungen oder ähnlichen, grundlegenden Änderungen wird gerade im Bereich Porträt, Beauty oder Fashion deutlich mehr retuschiert. Der Kunde wünscht makellose Haut, vollere Lippen und diverse Veränderungen, damit das Ergebnis dem Schönheitsideal so nahe wie möglich kommt. Falten, ein Bauchansatz oder ein Doppelkinn sind da nicht gewünscht. Also wird mit viel Aufwand verflüssigt, verfeinert und verändert. Das führt zu scheinbar perfekten Menschen in den sozialen Medien und in der Werbung.

Diese perfekt aussehenden Influencer oder Models werden gerade von Kindern und Jugendlichen gern als Vorbilder angesehen, denen es nachzueifern gilt. Was nicht selten zu psychischen Erkrankungen führen kann, die unter Jugendlichen deutlich zugenommen haben. Gerade Influencer erwecken in den sozialen Medien zusätzlich mit Hashtags wie #nofilter gern auch noch den Eindruck, am Bild nichts geändert zu haben. Manchmal angesichts zu offensichtlicher (schlechter) Manipulationen auch zur allgemeinen Belustigung der Betrachter (Stichwort Photoshop-Fails).

Photoshop-Fail

Norwegen hat nun ein Gesetz verabschiedet, das hier für mehr Transparenz sorgen soll. Das Gesetz verpflichtet Influencer und Werber dazu, Bildmanipulationen deutlich zu kennzeichnen, die die Körperform, Haut oder Körpergröße betreffen. Als Beispiele werden hier vergrößerte Lippen, schmalere Taillen, wegretuschierte Bäuche oder Vergrößerung der Muskeln etc. aufgeführt. Ziel ist es, den Betrachtern sofort deutlich zu machen: Die Person auf dem Bild sieht in der Realität anders aus, hier wurde mehr oder weniger kräftig nachgeholfen. Das Gesetz hat nicht den Zweck, Bearbeitungen grundsätzlich zu verbieten, sie aber deutlich zu kennzeichnen.

Einfache, ganzheitliche Änderungen wie Kontrastverstärkung, Nachschärfen oder die Verwendung einfacher Filter müssen auch in Zukunft nicht gekennzeichnet werden, geglättete Haut hingegen schon. Inkrafttreten soll das Gesetz in Norwegen im Sommer 2022. Bei Verstoß gegen die Kennzeichnungspflicht werden Geldstrafen fällig, die bei Wiederholung deutlich ansteigen können.

Ganz neu ist die Idee tatsächlich nicht. I Frankreich gibt es so eine Regelung für Werbung bereits seit 2017 und auch in Israel existiert ein entsprechendes Gesetz. Und auch in der Schweiz findet sich seit 2019 in den „Bestimmungen für faire und lautere Werbung“ der folgende Passus:

Es ist unlauter, in der kommerziellen Kommunikation computertechnisch bearbeitete Abbildungen von Körpern und Körperformen in täuschender Weise einzusetzen, um damit eine Wirkung oder ein Ergebnis auszuloben, die bzw. das nicht erzielbar ist.

Ich finde derartige Regelungen ehrlich gesagt gar nicht mal so schlecht. Vor allem angesichts dessen, was gerade in den sozialen Medien wie eben beispielsweise Instagram an Verschönerungen und Optimierungen zu finden ist. Oft genug wird hier eine nicht vorhandene Realität vorgetäuscht. Auch wenn ich selbst retuschiere und optimiere, so ist mir dennoch auch bewusst, welche Wirkung das auf Kinder und Jugendliche haben kann und wie sehr es ihr Verhalten und ihre Sicht auf den eigenen Körper verändern kann. Eine Kennzeichnungspflicht halte ich daher gar nicht mal für so verkehrt.

Mirko

Hallo, ich bin Mirko und blogge (mit Unterbrechungen) seit 2004. Ich bin seit 30 Jahren in der IT tätig, kreativer Kopf und Freizeitfotograf mit langjähriger Erfahrung auch im Bereich Design und Bildbearbeitung.

Ich fotografiere aktuell mit meiner Nikon D750, bevorzugt Menschen. Bearbeitet werden meine Aufnahmen in der Regel in Adobe Lightroom Classic und Adobe Photoshop. Einfach, weil ich gefühlt schon immer damit arbeite.

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