Fundstücke

Adobe Photoshop & Co: Pantone-Farben nur noch eingeschränkt nutzbar

Farbwerte

Ich sitze kopfschüttelnd vor meinem Monitor und habe immer noch das Gefühl, einem April-Scherz aufgesessen zu sein. Dem ist aber nicht so, auch wenn es sich so lesen mag. Ich versuche mal, das so behutsam wie möglich zu formulieren.

Adobe und Pantone sind sich, wenn man den Meldungen glauben kann, bezüglich der Lizenzierung der geschützten und standardisierten Pantone-Farbpaletten uneinig. Bereits im Januar November 2021 gab es offensichtlich Meldungen dazu, die aber komplett an mir vorbeigegangen sind. Was sicherlich auch daran liegen mag, dass ich die Pantone Farbpaletten bislang äußerst selten genutzt habe. In Photoshop meines Wissens überhaupt nicht, es mag ein paar ältere Illustrator-Dateien geben, in denen ich mal Pantone verwenden musste.

Adobe schreibt dazu:

Änderungen an den Pantone-Farbbüchern

Standardisierte vorinstallierte Farbbibliotheken, auch bekannt als Pantone-Farbbücher, werden in Software-Updates, die nach dem 16. August 2022 veröffentlicht werden, schrittweise aus Illustrator, InDesign und Photoshop entfernt.

Nach November 2022 wird es nur noch folgende Pantone-Farbbücher geben:

Pantone + CMYK beschichtet
Pantone + CMYK unbeschichtet
Pantone + metallisch beschichtet
Kunden, die in ihren kreativen Arbeitsabläufen auf Pantone-Farben angewiesen sind, benötigen eine Pantone-Lizenz über das Pantone Connect-Plug-in, das in Adobe Exchange verfügbar ist.

Die Pantone-Lizenz, die hier erwähnt wird, kostet übrigens 14,99 € im Monat oder 89,99 € als “Premium Jahresabo”. Wow…

Extrem ungeschickt scheint allerdings Adobe damit umzugehen, wie der folgende Tweet zeigt.

Richtig gelesen: Wenn Ihr in der Vergangenheit Pantone-Farben benutzt habt, die nun nur noch in der Extra-Lizenz enthalten sind, dann werden diese Objekte ab sofort in Adobe Photoshop, Illustrator, etc. Schwarz angezeigt. Keine Farbe – Schwarz.

Zum besseren Verständnis: Damit ist nicht gemeint, dass eine Farbe, die Ihr Euch “angemischt” habt oder die in einem Foto enthalten ist und den Farbwerten einer Pantone-Farbe entspricht, in Zukunft nicht mehr angezeigt wird oder verwendet werden kann. Nein. Es handelt sich ausschließlich um direkt aus den Pantone-Paletten verwendeten Farben.

Aber das Internet wäre nicht das Internet, wenn nicht ein paar kreative Köpfe Abhilfe geschaffen hätten. So findet man in dem oben eingebetteten Twitter-Strang auch schon Hinweise auf Alternativen, wie beispielsweise eine downloadbare Farbpalette “Freetone” oder auch Listen mit den Hex- bzw. RGB-Werten für gewisse Farben. (Auch wenn diese natürlich nicht helfen, wenn gedruckt werden soll. Zum besseren Verständnis bei Interesse mal den verlinkten Wikipedia-Artikel durchlesen.)

Ich finde es ehrlich gesagt verrückt, dass das nötig ist. Ich finde es verrückt, für Farben Lizenzen zu zahlen. Standardisierung hin oder her, niemand “erfindet” neue Farben, jede Farbe ist in irgendeiner Weise in der Natur vorhanden. Insofern ergibt es für mich keinen Sinn, ein Abo dafür abzuschließen.

Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass diese Aktion nach hinten losgehen kann. Ich bin nun im Print-Bereich nicht so bewandert, um beurteilen zu können, wie sehr man hier auf die erweiterten Pantone-Paletten angewiesen ist. Allerdings sollte man aber auch bedenken, dass diejenigen, die diese Lizenz bezahlen sollen, unter Umständen recht einfach in Zukunft auch auf diese Farben verzichten können. Die Entscheidung für die Verwendung liegt häufig beim Designer. Oder aber dieser teilt seinem Kunden mit, die gewünschte Farbe nicht benutzen zu können, weil er sie gesondert lizenzieren muss. Ich weiß nicht, wie gut das bei den Kunden ankommen würde.

Der für mich vielleicht spannendste Aspekt ist allerdings: Wenn ich in der Vergangenheit unter den damals gültigen Lizenzbestimmungen vollkommen legal eine Grafik mit diesen Farben erstellt habe, dann verliere ich durch die neuen Lizenzbestimmungen also den Zugriff darauf. Diese Farben sind nun Schwarz, ich kann im Grunde nicht mal mehr eine ähnliche Farbe erstellen, sofern ich nicht eine Bitmap exportiert habe oder noch einen Proof in irgendeiner Schublade finde. Ob das tatsächlich so laufen darf, wird sich in Zukunft wohl noch zeigen.

Mirko

Hallo, ich bin Mirko und blogge (mit Unterbrechungen) seit 2004. Ich bin seit 30 Jahren in der IT tätig, kreativer Kopf und Freizeitfotograf mit langjähriger Erfahrung auch im Bereich Design und Bildbearbeitung.

Ich fotografiere aktuell mit meiner Nikon D750, bevorzugt Menschen. Meine erste DSLR war eine Nikon D70, die später durch eine Nikon D300 ersetzt wurde. Bearbeitet werden meine Aufnahmen in der Regel in Adobe Lightroom Classic und Adobe Photoshop. Einfach, weil ich gefühlt schon immer damit arbeite.

Hier möchte ich sowohl meine Fundstücke aus dem Web, als auch meine Erfahrungen oder auch Experimente teilen.

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