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Von der People- zur Naturfotografie?

Feldlerche

Mein absolutes Steckenpferd ist die People-Fotografie. Ich habe bereits vor Jahren festgestellt, dass ich einerseits daran die meiste Freude habe, andererseits mir dieses Thema auch am meisten liegt und ich hier zudem auch die (meiner Ansicht nach) besten Ergebnisse erziele. Wann immer ich mich an anderen Themen versucht habe – Architektur, Landschaften, Makro, Tiere, was auch immer – mehr als ein paar glückliche Zufallstreffer waren einfach nicht drin. Kaum habe ich eine Person vor der Kamera, dann gelingen die Fotos, ich weiß was zu tun ist, wie ich die Person lenken muss und so weiter. Und vor allem: Ich habe richtig Freude dabei. Mir liegt der Umgang mit Menschen, die Kommunikation mit der Person vor der Kamera, es macht Spaß, Menschen, die sich für “nicht fotogen” halten, das Gegenteil zu beweisen.

Der “logistische Aufwand” ist oftmals nicht gerade gering. Angefangen bei der Terminabstimmung über eine passende Location bis hin zu der Tatsache, dass man meist auch etwas mehr mitschleppen muss. Blitze, Softboxen, Lampenstative, Reflektoren, vielleicht noch Hintergründe etc. Also früh genug alle Akkus laden, das Equipment prüfen. Ich habe kein Studio und bin tatsächlich auch kein allzu großer Fan von Studios. Daher spielt hier also auch noch das Wetter mit hinein. Aus all diesen Gründen habe ich aktuell nicht sehr viele Shootings, zumal ich dieser Tätigkeit ja auch in meiner spärlichen Freizeit nachgehe. In der Regel also an den Wochenenden, wenn es terminlich und mit dem Wetter passt. Was leider, wie soeben beschrieben, für meinen Geschmack nicht häufig genug der Fall ist.

Andererseits liebe ich natürlich die Fotografie. Und bedauere es daher recht häufig, dass es nicht mehr Gelegenheiten gibt. Ich könnte mich natürlich jetzt mit maximalem Elan darauf stürzen und Termine ohne Ende generieren und wahrnehmen. Bedauerlicherweise passt aber oft irgendetwas nicht und zudem ist der organisatorische “Aufwand” nicht immer nebenher erledigt. Von einer Anfrage bis zum tatsächlichen Termin kann es daher auch schon mal ein paar Wochen dauern, bis es bei allen passt. Das klingt jetzt möglicherweise ein wenig nach Gejammer, natürlich schaffen das andere ja auch. Aber nach 10-11h Job ist doch oftmals die Luft raus, sich Abends dann noch um Termine und Abstimmung zu kümmern.

Wie spanne ich jetzt den Bogen zur Naturfotografie?

Meine Lebensgefährtin fotografiert ebenfalls. Ihre Lieblingsmotive sind Hunde und Pferde, das ist ihre Welt. Aber sie ist auch immer schon gern in der Natur unterwegs und schleppt seit langem auch ihre Kamera mit. Was liegt also näher, sich dann auch den Tieren zu widmen, die man da draußen so antrifft? Unter Ihrem Pseudonym Ruhrkehlchen könnt Ihr einige dieser Bilder bei Instagram sehen. Ich finde übrigens, sie verdient definitiv ein paar Follower mehr … 😉

Von Zeit zu Zeit schließe ich mich ihr an, anfangs weniger, inzwischen immer öfter. Zumindest wenn absehbar ist, dass es keine allzu ausufernde Tour wird. Aufgrund von Rückenproblemen kann ich da leider oftmals nicht mithalten, da die Rückenschmerzen dann überhandnehmen. Wenn es schlecht läuft, kann ich mich dann wieder einige Tage lang damit herumärgern. Aber bspw. Uhus und ihre Ästlinge besuchen oder überschaubare, kleinere Touren sind machbar und seit einiger Zeit bin ich häufiger mit dabei. Und was soll ich sagen: Auch das macht jede Menge Spaß! Auch wenn ich mich gelegentlich doch zwingen muss, den A … llerwertesten hochzukriegen.

Schilfrohrsänger

Im Laufe der letzten Wochen beobachte ich tatsächlich eine interessante Entwicklung bei mir. Mehr und mehr entdecke ich Dinge, die ich zuvor nur durch Hinweise gesehen habe. Ein Schilfrohrsänger im Schilf, Schwalben auf einer Freilandleitung … Mein Blick entwickelt sich offensichtlich! Die meisten Vögel erkenne ich nicht, zugegebenermaßen. So groß ist mein Interesse an dieser Art der Fotografie nicht, dass ich mich über alles, was da kreucht und fleucht, umfassend informiere. Oft genug frage ich meine Partnerin also: “Was für ein Vogel singt da gerade”, sehr oft weiß sie es. Und verdreht dann die Augen: “Das ist ein Rotkehlchen!”. Oder startet Ihre App, die anhand der Stimmen recht gut erkennt, um welchen Vogel es sich handelt. Und wenn ich ihn auch noch sehen kann, dann halte ich drauf.

Jetzt bin ich natürlich überhaupt nicht für diese Art der Fotografie ausgestattet. Maximal kann ich mit 200 mm Brennweite agieren, was in der Natur- bzw. Wildtierfotografie im Grunde lächerlich ist. Während sie mit 600 mm Brennweite unterwegs ist, was auch schon oft untere Grenze ist, falle ich hier mit meiner Ausrüstung weit zurück. Sie zählt die Federn an den Flügeln und ich kann erkennen: oh, ein Vogel. Und demzufolge sind meine Ergebnisse oft genug reine Glückssache oder es kaum wert gezeigt zu werden. Nur interessanterweise stört mich das gar nicht so sehr, wie ich gedacht hätte. Klar ist es immer noch etwas enttäuschend, am Ende aus 800 Bildern 1-2 zu behalten, die ganz ok sind. Aber das ist dann eben so. Mit so einer Quote wäre ich nach einem Porträt-Shooting am Boden zerstört, in diesem Fall jedoch denke ich mir: Klasse, es hat sich ja doch irgendwie gelohnt.

Rauchschwalben

Ich könnte auch hier die Quote deutlich nach oben schrauben, wenn ich mein Equipment etwas aufrüsten würde. Aber um ehrlich zu sein: Da müsste ich schon im Lotto gewinnen, um darüber nachzudenken. Denn ich sehe diese Art von Fotografie eher als Ausgleich. Weniger als Ausgleich zu meinen bevorzugten Themen als vielmehr als Ausgleich zu meinem täglichen Job. Der ist einerseits (ganz speziell derzeit) ziemlich stressig, vor allem aber geistig sehr fordernd. Und ich stelle an mir fest, dass ich so tatsächlich den Kopf etwas schneller freibekomme. Eben nicht an Incidents und Changes denke oder an das gewaltige Backlog, das ich im Job noch vor der Brust habe. Einfach nur schauen und entdecken, manchmal dabei sogar die Kamera vergessend, die an meiner Seite baumelt. Wie eben auch gestern, als ich zum ersten Mal erleben durfte, wie ein Uhu seinen Jungen Futter bringt. Oder ein Ästling plötzlich eine recht weite Strecke fliegend zurücklegte, statt wie in den letzten Wochen durch die Gegend zu “watscheln”.

Werde ich jetzt also ein Naturfotograf?

Sicher konnte man es bereits herauslesen: Nein, sicher nicht. Ich entdecke hier gerade seit ein paar Wochen eine neue Möglichkeit für mich, mein Lieblingshobby als Gegengewicht zum anstrengenden Alltag zu nutzen. Dabei stehen plötzlich gar nicht mehr so sehr die Ergebnisse im Vordergrund, auch wenn ich mich natürlich an gelungenen Aufnahmen erfreue. Vielmehr ist hier der Weg das Ziel, wie man so schön sagt. Ich bestreite nicht, dass nach einem Tagesausflug eine miese Quote nach wie vor enttäuschend bleibt. Nur schmerzt es nicht sehr, weil die Aufnahmen für mich (oder andere) nicht ganz so wichtig sind. Ich empfinde sie vielmehr als Bonus zu dem, was ich erlebt habe. Das i-Tüpfelchen auf ein paar erholsamen Stunden. Bei denen ich neuerdings eben auch meine Umgebung mit etwas anderen Augen wahrnehme als noch vor ein paar Monaten. Das ist in jedem Fall spannend, schon allein, weil ich mir so eine Entwicklung selbst nicht so recht zugetraut habe. Ich will nicht sagen, dass mir diese Dinge zuvor egal waren, das wäre gelogen. Aber meine Wahrnehmung verändert sich, auch wenn ich hier nach wie vor nicht den gleichen Blick für ein tolles Motiv habe, wie es der Fall ist, wenn eine Person vor meiner Linse steht. Ob sich das ändert? Ich weiß es nicht.

Der Blick über den Tellerrand hat sich in jedem Fall für mich gelohnt. Ich ändere damit zwar nicht meine Präferenzen, es verändert mich aber auf eine vollkommen andere Art und Weise. Und das ist gut so. Darüber hinaus empfinde ich es ohnehin als sehr wertvoll, wenn man mit seinem Partner gemeinsam solche Erlebnisse wie zum Beispiel gestern Abend teilen kann. Inzwischen hätte es mich maßlos geärgert, wenn ich von diesem Erlebnis nur von ihr gehört hätte, statt es selbst mitzuerleben. Und darüber hinaus: Es tut meinen Augen gut, nicht immer nur auf den Monitor zu starren. Und meinem Kopf, mal eine Weile nicht groß nachzudenken.

Mirko

Hallo, ich bin Mirko und blogge (mit Unterbrechungen) seit 2004. Ich bin seit 30 Jahren in der IT tätig, kreativer Kopf und Freizeitfotograf mit langjähriger Erfahrung auch im Bereich Design und Bildbearbeitung.

Ich fotografiere aktuell mit meiner Nikon D750, bevorzugt Menschen. Meine erste DSLR war eine Nikon D70, die später durch eine Nikon D300 ersetzt wurde. Bearbeitet werden meine Aufnahmen in der Regel in Adobe Lightroom Classic und Adobe Photoshop. Einfach, weil ich gefühlt schon immer damit arbeite.

Hier möchte ich sowohl meine Fundstücke aus dem Web, als auch meine Erfahrungen oder auch Experimente teilen. Wenn ich über Produkte berichte, dann schreibe ich immer und in jedem Fall meine persönliche Meinung. Es ist nicht möglich, hier positive Beiträge oder Empfehlungen zu kaufen. Auch hier vorgestellte Produkte sind, sofern im Beitrag nicht anders gekennzeichnet, aus eigener Tasche bezahlt und nicht gesponsert.

2 Kommentare

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  • Lieber Mirko. Sehr schöner Artikel 👍. Ich kann dir nur zustimmen. Ich habe auch schon lange die Natur entdeckt und fotografiere hauptsächlich Makro. Auch habe ich gemerkt das es schon sehr schwierig ist mit 300mm einigermaßen kleine Vögel abzubilden. Aber wichtiger ist es in der Natur den Kopf frei zu bekommen und die Arbeit mal zu vergessen. Ich habe einen Job mit z. t. schwerer körperlicher Arbeit. Um so wichtiger ist es mit meiner Kamera los zu ziehen um andere Bilder zu sehen. Meine Lebensgefährtin hat mit Fotografie nix am Hut. Daher freue ich mich auf jedes Wochenende wenn ich vor die Tür komme. Mit großem Interesse habe ich die Fotos deiner Lebensgefährtin auf Instagram bewundert. Ich glaube das du da eine gute Lehrerin hast, was die Naturfotografie angeht. Viel Spaß noch beim Fotografieren und “gut Licht”👍😁

    • Hallo Joachim,

      ja, mit Wiebke (aka Ruhrlinse aka Ruhrkehlchen) habe ich auf jeden Fall jemanden an der Seite, der mir die Dinge zeigt, die ich selbst nicht so schnell sehe. Wenn überhaupt… 😉 Sie hat eben nach wie vor den besseren Blick für so etwas, selbst wenn ich bei mir Verbesserungen beobachte. Darüber hinaus unterscheiden sich unsere Blickwinkel aber, was das Ganze tatsächlich noch ein Stück weit spannender macht. Das gleiche Motiv – unterschiedliche Ansichten.

      Darüber hinaus: Danke für die Blumen. Auch von ihr. 😀